Laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation zählt Konferenzdolmetschen mit zu den anstrengendsten Berufen, nach z. B. Astronaut und Kampfpilot.

Das liegt vor allem daran, dass insbesondere das simultane, also gleichzeitige, Dolmetschen extrem hohe Konzentration erfordert: Die Dolmetscher hören das Gesagte, verarbeiten es, erfassen den Sinn und formulieren diesen in der Zielsprache neu. Und zwar alles gleichzeitig.

Abgesehen von diesen extrem hohen Anforderungen beim Dolmetschen selbst, kämpfen (zumindest freiberufliche) Dolmetscher auch mit all den anderen Herausforderungen der Selbständigkeit: der hohen erforderlichen Selbstorganisation und -motivation, der Umgang mit ständig wechselnden Kunden, Kolleg/innen und Situationen, finanziellem Druck, Leistungsdruck, schwankenden Auftragsvolumina, und dann ist da ja auch noch das Privatleben mit Freunden, Hobbies und Familie.

Um all das langfristig verkraften zu können, bedarf es dann und wann einer gewissen Auszeit und Besinnung. Diese haben wir – Sabine Kreuzpaintner und Vivi Bentin – uns anlässlich eines vom Verband der Konferenzdolmetscher (VKD) organisierten Seminars zum Thema Stressmanagement genommen.

Die anberaumten zwei Tage in einem Ludwigsburger Tagungshotel waren natürlich viel zu kurz, um alle Themen und Techniken abzudecken. Und so war die Fortbildung von Martin Beiser ein Parforce-Ritt durch die große bunte Literatur des Stressmanagements und die verschiedensten Ansätze, Stress zu erkennen, zu verstehen und zu bewältigen. „Resilienz“ ist dabei das große Schlagwort: die Fähigkeit, mit neuen Situationen und auch mit Schwierigkeiten so umzugehen, dass dabei die Energieressourcen nicht erschöpft werden.

Als ehemaliger Curling-Bundestrainer machte uns Martin Beiser u. a. mit dem Project Wolverine vertraut, das speziell für Leistungssportler entwickelt wurde – und als solche betrachten wir uns in der Tat auch: Gehirnleistungssportler(innen). Im Kern lautet die Botschaft: Viel und gut schlafen, ausreichend trinken und für körperliche Bewegung sorgen – was vor Ort auch direkt mit Jonglageübungen und Faszientraining praktiziert wurde. Und ansonsten lautet der Tipp für die Selbstregulierung und -führung: Immer im Gespräch mit sich selbst bleiben. Sich nicht vom Stress treiben lassen, sondern Distanz schaffen und immer wieder nachhören: Wo stehe ich, was ist mein Zustand, was geschieht mit mir und warum, wie komme ich hier wieder raus? Gerade für den letzten Schritt ging es viel um das Prinzip der Visualisierung: Ich visualisiere etwas für mich Angenehmes, eine schöne Erinnerung, einen entspannten Moment, und formuliere dazu ein Haltungsziel. Soweit die Theorie.

Mit diesem guten Vorsatz gehen wir in die (oftmals nicht ganz stressfreie) Weihnachtszeit und dann ins neue Jahr 2017 und wünschen auch Ihnen – Stress ade!

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