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Dolmetschen und KI

Nein, hier soll es nicht darum gehen, dass die KI den Menschen ersetzt, sondern vielmehr darum, wie sie uns Dolmetscherinnen bei unserer täglichen Arbeit in der Kabine unterstützen kann.


Dolmetschen und KI

Hört man diese beiden Schlagworte, denkt man wahrscheinlich als erstes: jetzt dolmetscht die KI statt eines Menschen. Darum sollte es aber bei unserem Besuch am CAI-Campus der TH Köln gar nicht gehen. Wir wollten uns vielmehr ansehen, wie die KI uns Dolmetscherinnen und Dolmetscher bei unserer Arbeit in der Kabine unterstützen kann.

Aber von vorn: Im Nachwuchsprogramm des Berufsverbandes VKD stehen erfahrene Kolleginnen und Kollegen Berufseinsteigern in den ersten zwei Jahren ihrer freiberuflichen Tätigkeit mit Rat und Tat zur Seite. Seit Januar sind unsere beiden d-interp-Mitglieder Sara Campos Arnoldi und Sabine Kreuzpaintner dort wieder als Mentorinnen aktiv. Immer im Juni oder Juli findet für die beiden aktuellen Jahrgänge des NWP ein Sommertreffen statt. Dieses Jahr ging es zur TH Köln an den sogenannten CAI-Campus. CAI steht für Computer Aided Interpreting und bezieht sich auf Tools, die in der Dolmetschkabine während des Dolmetschens als Unterstützung eingesetzt werden können. Genauer gesagt transkribieren die Tools das gesprochene Wort und zeigen das Transkript auf einem separaten Bildschirm an. Dabei werden zum Beispiel Zahlen optisch hervorgehoben, so dass sie sofort ins Auge springen. Hat man im Vorfeld eine Vokabelliste mit Fachbegriffen in seiner Sprachkombination eingegeben, werden auch diese Begriffe entsprechend markiert und der richtige Fachbegriff in der anderen Sprache angezeigt.

Wir vom NWP durften nun also drei unterschiedliche Tools in der Kabine auf Herz und Nieren testen. Allen drei Tools gemeinsam war, dass sie erstaunlich schnell und auch erstaunlich gut transkribiert haben, sowohl auf deutsch als auch auf englisch (die einzigen beiden Sprachen, die wir ausprobiert haben). Und auch wenn das Mitlesen der Zahlen und Namen und vor allem die Anzeige der Fachbegriffe sehr hilfreich war, war es erstaunlich anstrengend, neben dem Originalredner und der Präsentation auch noch das Transkript als zusätzliche Informationsquelle im Auge zu behalten. Wer also meint, dann wird das Dolmetschen doch gleich viel einfacher – weit gefehlt! Unser Eindruck war sogar, dass man noch schneller ermüdet, sich also noch schneller mit der Kabinenpartnerin oder dem -partner abwechseln muss.

Auch waren die Tools (noch?) relativ fehleranfällig. Mal kam kein Ton an, obwohl alle Kabel eingesteckt waren, mal kam zwar Ton an, es wurde aber trotzdem nichts transkribiert, mal gab es ein paar Sekunden Pause, bis wieder Text erschien (und ein paar Sekunden beim Simultandolmetschen sind eine gefühlte Ewigkeit). All das verbraucht in der Kabine Kapazitäten, die man eigentlich zum Hören, Verstehen, Übersetzen bräuchte.

Ohne Absprache mit dem Kunden und dem Techniker vor Ort sollte man diese Tools übrigens auch nicht einsetzen. Der Techniker muss genau prüfen, ob das zusätzliche, technische Setup in der Kabine Auswirkungen auf die Tonübertragung hat (was leider immer wieder vorkommt) und der Kunde muss natürlich damit einverstanden sein, dass die gesamte Veranstaltung in Textform festgehalten, also quasi aufgezeichnet wird. Auf welchem Server das Transkript dann landet, ist auch nicht in allen Fällen ganz klar ersichtlich. Nur eines der von uns getesteten Tools war zum Beispiel DSGVO-konform. Hinzu kommt, dass bei großen Konferenzen nicht nur der Veranstalter, sondern alle Sprechenden ihre Zustimmung erteilen müssten, was sich mit Sicherheit auch nicht ganz einfach gestaltet.

Bei allen technischen Problemchen und ungeklärten Fragen war es trotzdem eine sehr interessante Erfahrung, die wir dank des VKD da machen durften. Wir sind gespannt, wie die Entwicklung in Zukunft weitergehen wird!


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